Männlichkeiten

Sie fragte sich, wie lange sie diesmal auf ihn warten müsste. Er war in einer Besprechung, und das könnte dauern, obwohl sie seit einer viertel Stunde verabredet waren. Gelangweilt schlenderte sie durchs Zimmer, betrachtete den Bücherschrank mit all den wertvollen alten Bänden, streifte mit dem Blick die Portraits seiner Ahnen, die streng und düster von der Wand blickten, und nahm hier etwas aus dem Regal, oder dort, um es sich zum Zeitvertreib anzusehen.
Der Schreibtisch war fast leer und glänzte, als wäre er heute Morgen noch poliert worden. Das Telefon, ein Briefbeschwerer, eine längliche Schale mit wenigen Schreibutensilien. Außerdem ein silbernes Kästchen mit teuren Havannas. Sie nahm eine der Zigarren und hielt sie sich unter die Nase wie er es immer tat. Sie mochte den Geruch. Zigarren hatten etwas so Männliches, ging ihr durch den Kopf. Nein, sie musste lächeln, nicht wegen ihrer Form! Als sie noch ein Kind war, hatte ihr Großvater oft wichtige Kunden empfangen und mit ihnen eine Zigarre geraucht. Seit der Zeit war diese Form des Tabakgenusses und alles was damit zusammenhing für sie zu einem Inbegriff von Männlichkeit geworden. Wie oft hatte sie bei ihrem Großvater auf dem Schoß gesessen. Er hatte immer nach Zigarren gerochen. Nach Zigarren wie dieser, nach frischem Zigarrenrauch, oder nach kaltem. Sie hatte ihren Großvater vergöttert, und er sie. Abends hatte er oft ein Glas trockenen Weißwein getrunken. Das war der andere männliche Geruch, den sie verinnerlicht hatte, der Duft von Weißwein. Ein Glas eines solchen Weines zu trinken bedeutete für sie ein wenig an der männlichen Welt teilzuhaben, obwohl sie natürlich wusste, dass das Quatsch war.
Zigarren und Weißwein waren zu wichtigen Auslösern ihres Wohlbefindens geworden, und auch wenn sie sich heute ihre Gedanken darüber machen konnte, wusste, wie es dazu gekommen war, konnte sie die Wirkung die diese Auslöser auf ihre Gefühle hatten nicht verhindern. Es war ein Gefühl der Geborgenheit, des zu Hause seins, und noch etwas anderem.
Sie nahm den Schneider, und bereitete die dicke Havanna vor. Dann steckte sie sie in den Mund und zog daran. Mit einer Geste, wie er sie immer machte, wenn er beabsichtigte ihr etwas besonders Wichtiges mitzuteilen, blies sie den imaginären Rauch aus. Schließlich nahm sie die Streichhölzer und setzte den Tabak tatsächlich in Brand. Sie machte es sich bequem und flezte sich damit in einen der großen Ledersessel. Der Duft des frisch entzündeten Tabaks erfüllte den Raum und sie paffte eine Zeitlang vor sich hin, bis sie die Zigarre schließlich gelangweilt in den Aschenbecher legte. Ungeduldig sah sie auf die Uhr. Er ließ sich Zeit.

Ihre Gedanken begannen zu wandern und landeten schließlich bei ihrem letzten Zusammensein. Irgendwie fand ihre Hand unter das Kleid, schlüpfte in die Unterhose und begann sich mit dem Reich der Sinne zu beschäftigen, das diese barg. Ihre Aufmerksamkeit war schon eine ganze Weile von Gefühlen abgelenkt worden, die eindeutig in diese gewisse Richtung drängten. Nicht, dass dies ein Ort oder eine Situation gewesen wäre, wo sie sich üblicher Weise selbst Lust und Erleichterung zu verschaffen pflegte, im Gegenteil. Aber vielleicht war es jetzt gerade dies was sie auf besondere Weise erregte, je länger sie hier auf ihn wartete. Es war so ein „heiliger Ort“. Männlich, ja, aber absolut steril was menschliche Gelüste betraf. So blickten denn auch die Herren an der Wand besonders streng, als sie ihr tun bemerkten, aber sie konnten nicht viel sehen, da das lange weite Kleid alles bedeckte. Wie aus trotz, ließ sie ihre Finger heftiger spielen, als sie sich dieser heimlichen Beobachter bewusst wurde. Es war fast ein frecher Akt von frivolem Voyeurismus, der sie aufreizte und sie schließlich so weit brachte, ihre Unterhose auszuziehen, den Rock hochzuschlagen und sich den Gesichtern schamlos entgegen zu strecken.
Es erfasste sie mit ungewohnter Heftigkeit. Sie war feucht und ihre Klitoris bebte vor Erregung. Die Herren schauten missbilligend, doch sie konnte sich des Verdachts nicht erwehren, dass das nur die moralische Maske war, und es fiel ihr nicht schwer, sich vorzustellen, wie jeder Einzelne hinter dieser Maske, diesem Bild, bereits mit seinem eigenen Lustorgan beschäftigt war und viel darum gegeben hätte zu ihr hinabzusteigen.
Sie glitt mit einem Finger in die feuchte Scheide, drang tief dort ein und massierte sich, dann zog sie ihn wieder heraus und leckte ihn lüstern ab, den grimmigsten der Herren im Visier.
Ihr kam eine Idee! Sie zündete die Zigarre wieder an und paffte darauf herum, während sie sich mit einer Hand weiter dort unten bezauberte. Das war der Kick! Sie führte den qualmenden Stängel zwischen die Beine, spreizte ein weinig die Vagina und schob die trockene Rolle ein Stück hinein, ein glühendes qualmendes Ungetüm, das in gewisser Weise etwas Lächerliches hatte, wie es so stolz und doch so hilflos dort festgesteckt hing. Ein wütender kleiner Drache, der leicht zu zähmen war. Sie stellte sich vor, wie sie nur zu pinkeln brauchte um die heiße Glut zu löschen.
Sie spannte die Vaginalmuskeln an, was den hilflosen Drachen zum auf und ab hüpfen brachte. Sie nahm ihn wieder raus und zog einige Male um die Glut wieder mehr zu entfachen, dann steckte sie die qualmende Rolle wieder an ihren Ort. Sie versuchte das lange Ding tiefer hinein zu schieben, aber sie war wirklich sehr trocken. Sie schob ein wenig vor und zurück, bis es ihr schließlich gelang. Sie stellte sich vor, wie sie ihm die später reichen würde, damit er sie zu Ende rauchte… Sie nahm das Spiel mit den Muskeln der Scheide wieder auf, wie um die trockenen Blätter aufzuweichen und zu zerquetschen, während sich ihre Finger der kleinen blühenden Rose widmeten, die sich sehnsüchtig rötete und entfaltete.
Welch eine Lust! Sie strich sich über den Bauch, streichelte wieder hinunter zur sprudelnden Quelle, und erneut hinauf, wieder zurück, während der Stab im Rhythmus der Kontraktionen hüpfte, die jedes Mal ihr Becken ein wenig vor und zurück schoben. Sie merkte, wie sehr sie floss und wie begierig der trockene Tabak ihre Flüssigkeit aufsaugte, bis sie schließlich nicht mehr an sich halten konnte. Sie hielt den Atem an, den Mund zusammengepresst um nicht laut los zu schreien, und erlaubte jenen Konvulsionen sich endlich ganz automatisch zu erfüllen und nun von ihrem ganzen Körper Besitz zu ergreifen. Wogende Schauer, zitterndes Beben, - ein Geschehen, dass ihr entglitt, sie mit Wellen der Lust erfüllte die sie sich aufbäumen ließen.
Mit leisem Zischen verlosch die Glut und die Zigarre fiel schlaff herab.