Scham und Verzweiflung 3

„Lass deine Hände da weg, verstanden!“, knurrte sie ihn an und fasste mit festem Griff in seine Genitalien. Er zuckte zusammen und löste verlegen seine Finger von ihrem Busen. Warum reagierte sie so empfindlich? Er wusste doch, dass sie geil auf ihn war. Alle Frauen waren geil auf ihn! Sie hatten zusammen getanzt und sie hatte geschnurrt wie eine Katze. Was fand sie dabei, dass er nun ihren Busen berührte?
„Schon gut, schon gut!“, gab er klein bei. Mit einer verrückten Suffragette wollte er nichts zu tun haben, auch wenn sie so geil war wie die hier. Aber sie ließ ihm keine Ruhe. Von der Ferne beobachtete er sie, und er fühlte, wie sein Verlangen nach ihr wuchs, je mehr sie sich ihm entzog.
Als sie schließlich die Disko verließ, wartete er am Ausgang auf sie und entschuldigte sich. Schließlich stimmte sie zu, dass er sie nach Hause begleitete. Er hatte Charme, auch wenn er ihr etwas zu stürmisch war.
Sie scherzten und lachten. Der nasse Asphalt spiegelte die Lichter der Stadt in tausend funkelnden Farben. In der Nähe des kleinen Parks gestattete sie ihm einen Kuss. Sie hatte sich in ihm geirrt. Er küsste sanft und leidenschaftlich. So mochte sie es. Was weiter daraus wurde, das mochte ein anderer Tag zeigen. Sie mochte ihn! Ihre Zungen verschmolzen ineinander. Als sie den Park betraten, war sie seinen Zärtlichkeiten längst ergeben. Erst als er zwischen ihre Beine fasste, erstarrte sie für einen Augenblick, dann entschied sie, dass sie warten wollte bis sie sich besser kannten. Sie nahm resolut seine Hand und dirigierte sie zu ihren Schultern, aber seine Finger suchten sofort wieder nach ihrem Schritt.
„Nicht so stürmisch!“, schnurrte sie erotisch, nahm wieder seine Hand und zog sie von ihren Genitalien fort. „Ich hab’s nicht mit so viel Tempo!“
„Du bist so geil!“, hauchte er ihr ins Ohr. Sie schmolz bei seiner Stimme. Vielleicht würde er endlich ihr Märchenprinz werden…! Er nahm ihren Po und drückte sie gegen seine Lenden, die er langsam und leidenschaftlich bewegte und ihr entgegenschob. Sie spürte seine Erektion, die sich in der Hose aufbäumte und sich an ihren Leib presste. Sie gab ihm einen Kuss, wand sich dann aus seinen Armen und spazierte weiter den Weg entlang. Er folgte ihr. Sie würde nicht am ersten Abend mit ihm bumsen. Sie wollte ihn näher kennen lernen bevor sie mit ihm ins Bett ging. Wie oft hatten sie diese Typen missbraucht, weil sie zu gutmütig gewesen war. Wenn er sie liebte, würde er auch morgen und übermorgen noch an ihr interessiert sein. Vielleicht würde er Rosen schicken, oder…
„Erzähl mir etwas von dir“, bat sie ihn, doch statt einer Antwort schlug er ihr völlig unerwartet in den Bauch und stieß sie in die Dunkelheit der Nacht. Sie stolperte, sie fiel, dann war er auf ihr, schneller als sie denken konnte riss ihr die Hose herunter und fummelte an der seinen. Sie war benommen und fasste sich erst wieder, als sein feuchtes Glied sie berührte und versuchte, den schützenden Pelz ihrer Scham zu durchdringen. Sie konnte nicht glauben, dass es wahr war. Ein stechender Schmerz durchfuhr sie, als es ihm gelang in die trockene Fut einzudringen. Da war nichts mehr von Erotik, nichts mehr von Zärtlichkeit – das war reine Gewalt, wie sie sie nicht kannte, nicht auf diese Weise.
Sie erwachte wie aus einem Traum und war auf einmal hell wach. Wie von selbst traten all die lange trainierten Reflexe in Aktion, die soeben noch benebelt geschlummert hatten. Ihre Faust schoss vor und traf ihn an der Kinnspitze. Sein Kopf flog zurück und um ihn herum sprühten Funken. Bevor er begriff, was geschah, spürte er einen Stoß in den Bauch, der ihm den Atem raubte. Sie fasste seine Hand, eine schraubenartige Drehung, - er schrie auf, als sein Handgelenk splitterte. Dann war sie plötzlich über ihm. Er sah ihre Augen gefährlich blitzen, ein unglaublicher Schmerz zog von seinen Hoden den Bauch hinauf, der ihn fast ohnmächtig werden ließ. Sie hatte ihm ihr Knie zwischen die Beine gerammt. Einen winzigen Augenblick später hatte sie ihn auf unerklärliche Weise auf den Bauch gedreht, die Hände nach hinten gerissen und ihm mit ihrem Halstuch die Gelenke gefesselt.
Sie nahm ihr Handy und wählte eine Nummer. „Ich bin im Goethepark, in der Nähe des Bouleplatzes. Es hat jemand versucht mich zu vergewaltigen, kommt ihr ihn abholen! Mit der Ambulanz. - - Nein, mir ist nichts geschehen, wirklich nicht… Ich bin in Ordnung!“ Sie legte auf. Es dauerte nicht lange, bis sie den Streifenwagen sah, gefolgt von einem Notarztwagen. Die Beamten kamen auf sie zu. „Hallo Lin, alles in Ordnung?“ sie nickte. „Oh Mann, den hast du aber übel zugerichtet“, meinte er dann mit Blick auf den Verletzten. „Ich hab’s ja immer gesagt, mit dir möchte ich mich auf kein Handgemenge einlassen!“
„Mensch leck’ mich!“, sagte sie und ärgerte sich, dass er so wenig Mitgefühl für das hatte, was ihr soeben widerfahren war. Dann lachte sie befriedigt über ihren Erfolg. Dennoch nahm sie es sich übel, dass sie sich so hatte überrumpeln lassen. Früher wäre ihr das nicht passiert!