Nocturno

(Aus: Manuela Sauvageot: Die Träume der Aphrodite, epubli)

Der Ruf eines Käuzchens klang aus dem Irgendwo der Stille. Die Nacht war finster und die Umgebung ungewohnt. Die dünne Zeltwand ließ die Geräusche der Nacht ungefiltert an ihr Ohr. Es war ihr unheimlich, und die würzige frische Luft der schwedischen Einsamkeit berührte sie auf seltsame Weise. Sie war nur kurz eingeschlafen, nachdem sie eine Unendlichkeit lang wach gelegen hatte, den Geräuschen lauschend, sich wälzend, um eine Position zu finden, die sie endlich Morpheus in die Arme geben würde. Sie hatte etwas geträumt, doch sie wusste nicht mehr was, nur, dass es etwas Schönes, Angenehmes gewesen war, von dem sie sich nur ungern getrennt hatte. Der Schlaf hatte seine eigenen Regeln, wie sie wieder einmal feststellte. Eine Sehnsucht flüsterte zwischen ihren Beinen. Sie drehte sich auf den Rücken und strich mit den Händen über den Bauch. Sie umkreiste eine Weile mit der einen Hand den Bauchnabel, dann fuhr sie mit der anderen weiter hinab, über den Venushügel zwischen die Beine und begann die haarige Biberin zu streicheln. Wie sie feststellte, musste es ein feuchter, wonnevoller Traum gewesen sein, aus dem sie erwacht war.

Sie mochte es, wenn man an den Haaren zupfte, an den Haaren auf dem »Hügel der Liebe« – dem Venushügel. Oder ihn ganz sanft massierte. Vielleicht nannte man ihn deshalb Venushügel, weil er für die Erregung der Frauen so bedeutsam sein konnte, – zumindest war er es für sie! Wenn sie sich selbst berührte, so begann es stets an diesem Hügel, dort, wo die Haare begannen, von denen aus sie sich langsam tiefer in die Geheimnisse ihres Biberreiches vorarbeiten konnte. Wenn sie mit einem Mann zusammen war, so wünschte sie sich nichts mehr, als dass er genau dort mit seinen Liebkosungen begann, sie dort streichelte, küsste, ihre Haare zupfte!

Es prickelte und es begann sich dort unten zu regen, zog die Aufmerksamkeit auf sich, sodass sie sich mehr und mehr auf diesen Bereich verdichtete. Aus dem Flüstern der Natur wurde ein Gesang. Es war wie ein sanfter Strom, der zu fließen begann, sich ausdehnte und sie mit lustvollem Kribbeln lockte. Es musste so sein, dass auch die Göttin Venus die Erregung dieses Bereiches so besonders geschätzt hatte. Sonst hätte man diese Stelle nicht nach ihr benannt. Welch schöner Na- me, Venushügel! Erst wenn sie diesen Bereich ausgiebig gestreichelt und »bezupft« hatte, war sie feucht und erregt genug, um sich den tiefer gelegenen Stellen zu widmen, oder zu genießen, dass ein Partner sie dort berührte, dort, wo ihr Intimstes so sicher, geschützt und geborgen zwischen Haaren und Oberschenkeln verborgen lag. Ja, es war ihr wichtig, sich geschützt zu fühlen. Sie hatte sich einmal rasiert, weil das gerade Mode war, aber sie war sich immer zu nackt, zu ungeschützt vorgekommen – auch mit Kleidung. Also hatte sie den Pelz ihrer Biberin wieder wachsen lassen. Nun konnte man wieder wunderbar darin kraulen, und sie fand sich mit Vlies viel Erwachsener und Weiblicher.

Sie glitt mit den Fingern den Hügel hinunter, die beginnende Furche hinein über den Schaft der Klitoris, bis sie das kleine Juwel berührte, das sich direkt unter- halb befand, eingehüllt in diese Falte. Wenn es nicht erregt war, war es fast nicht zu entdecken. Sie atmete tief, die Perle begann sich aufzuplustern. Ihre Finger kreisten eine Weile sanft um sie herum, dann wanderte sie weiter die Furchen und Falten entlang, die sie weiter unten fand, nicht ohne immer wieder ihre Haare zu kraulen.

Sie hatte sie schon früh erforscht, diese vielfältigen Strukturen, so weich, so sanft, so erregend. Sie konnte kaum glauben, dass es Frauen gab, die niemals einen Blick darauf geworfen hatten. – Bei sich nicht und nicht bei anderen, die sich noch nie selbst berührt hatten, zu ihrer eigenen Wonne. Viele Frauen, die sie kannte, waren so scheu, so geschlechtslos. Sie wussten nicht, welchen Reichtum sie besaßen – auch dort! Sie war dankbar, dass sie als Kind so oft »Doktor« gespielt hatten – besonders mit ihrer besten Freundin, Anastasia! Was hatten sie gemeinsam für berückende Forschungsreisen unternommen!

Und die Männer? Es war erstaunlich, aber sie waren verrückt danach, doch auch sie kannten sie selten wirklich, die wonnigen Lippen dieser süßen reifen Pflaume! Sie fassten dort hin, weil es sie erregte, massierten dort, weil die Erregung der Frau sie selbst erregte, und dran- gen ein in die Tiefen, ohne diese wunderbaren Formen des Äußeren hinreichend gewürdigt zu haben, ohne ihre Schönheit zu würdigen.

Sie glitt am Innenrand der kleinen Lippen – ihren Nymphen – hinunter, die bei ihr so viel größer waren als die Äußeren, nahe der Öffnung entlang, aus der es floss, dort, wo die großen Lippen sich vereinigten, die Fourchette am Ende der Spalte ...

Ohhh, dieser Teil war sensibel, fast wie die kleine Lustknospe! Sie ließ ihren Finger in massierenden Bewegungen kreisen, – wie gut das tat! Was für ein wunderbarer warmer Strom. Inzwischen wurden die Klänge der Natur und die Düfte der Landschaft Teil ihres Genießens.

Sie glitt in die Öffnung hinein, diesen Raum, der keiner war. Ein Nichts, das sich füllen ließ, das erst wirklich war, wenn man hineindrang – oder wenn frau gebar. Ein Nichts, bereit aufzunehmen, um wiedergeboren zu werden, Leben zu schenken und Lust. Ja, unendliche Lust, besonders, wenn sich die Geschlechter berührten, sich Mann und Frau einander dort entblößten, wo sie am Verletzlichsten waren und sich vereinigten. Welch unübertrefflicher göttlicher Vollzug, bei dem Leben und Tod so nah bei einander lagen, wie niemals sonst im Leben! – Aber wer dachte schon an so etwas?

Lustvoll erforschte sie die kleine Öffnung etwas unterhalb ihrer Perle. Sie diente nicht nur der Ausscheidung, diesem goldenen Strom! Nein! Es nässte bereits, leicht klebrig, wohlig, glitschig, während ihre Finger geschickt die Lust vermehrten, indem sie die kleine Öffnung und ihre Umgebung stimulierten. Eine göttliche Absonderung der Lust, die aus ihr quoll, als solle sie den Mann befruchten ... jetzt ... während es sich zusammenzog, die Lippen schwollen – weibliche Ejakulation ... War das Ketzerei? Unruhig ekstatisch wälzte sie sich hin und her.

Als sie sich etwas beruhigt hatte, drehte sie sich zu Ihm um. Er schlief. Sie spürte, wie hart der Boden unter der dünnen Matte war. Es roch nach Gras. Sie tastete mit den Händen den Boden ab, berührte den Saum des Grases zwischen seiner und ihrer Matte. Kühle Fransen. Sie rückte näher zu ihm. Sie wollte ihn, jetzt – in sich! Dass er diesen Ort fülle und mit seinem Glied, mit seinem Tun, seiner Leidenschaft das vollende, mit dem sie im Spiel der Fantasie begonnen hatte, das sie nun nicht alleine beenden wollte. Sie schmiegte ihren warmen Körper an ihn und begann seinen Nacken liebevoll zu küssen. Sein Po in ihren Leisten, rieb sie mit kreisenden Bewegungen den Hügel daran.

Er bewegte sich. Sie strich mit der Hand warm von seiner Brust über den Bauch, bis sie sein Glied fand. Noch war es schlaff und weich, doch bevor er ganz wach wurde, begann es in ihren Händen lebendig zu werden.

Er drehte sich zu ihr. War er wach? Ein tiefer Seufzer ließ sich vernehmen; sie drängte sich näher an ihn. Er murmelte etwas Unverständliches. Das »Uhluhuuu« eines Eulenvogels sandte ihr einen Schauer über den Rücken. Müde drehte er sich zu ihr um und gab ihr einen Kuss. Kannst du auch nicht schlafen? wispert sie und greift nach seinem verlorenen Glied. Sie bekommt keine Antwort, doch das Glied ist steif und lässt sich willig zwischen ihre Lippen führen. Er küsst sie auf die Stirn, die Wangen, den Hals, müde und verschlafen noch, wie im Traum. Bald zieht er sie näher zu sich, ihre Brüste an den seinen. Sie sind so warm, so weich, so weiblich. Sie streichelt mit dem Glied durch ihre Falten, ein wenig auf, ein wenig ab, lässt es dann hinein in die Tiefen gleiten, nur ganz kurz, als wolle sie ihm Appetit bereiten. Sie ist nass, er ist nass, sie führt ihn aufwärts zu dem kleinen Etwas, das sich schon so lange plusternd regt. Er liebt ihre Finger an seinem Schwanz. Sie sind so vertraut, so erregend, so sanft – so fremd ...

Seine Hüften geraten in Bewegung, als sie beginnt, ihn voll Gier zu verschlingen.